Statement zur Farbe von Whisky

 

Farbe in Whisky ist vielen Genießern scheinbar ziemlich wichtig - warum also ignoriere ich Farbe vollends in meinen Bewertungen? Dies wurde ich vor kurzem von einem Mitlesenden gefragt und hiermit möchte ich gerne darauf antworten.

Ich habe mich grundsätzlich dagegen entschieden, die Farbe eines Whiskys als Qualitätsmerkmal anzuerkennen und beschränke mich auf folgende vier Faktoren bei der Beurteilung: Nase, Gaumen, Abgang und Gesamteindruck. Auch wenn manche damit ein Problem haben, ich vergebe in jeder Kategorie auch Punkte (25  Punkte je Kategorie - macht insgesamt 100). Dunkle Farbe im Whisky lässt meinem Genussverständnis nach keinerlei Schlüsse ziehen. Ja, Reifungen in "Sherry-Fässern" können eine dunkle bzw. rote Farbe hervorrufen, müssen sie aber nicht zwangsläufig. Auch können kaum Rückschlüsse auf das Alter gezogen werden - siehe z.B. der Balblair von TWE: 14 Jahre jung und fast schon schwarz. Ich möchte die farblichen Unterschiede verschiedener Fassarten und Lagerzeiten nicht verneinen, aber relativieren. Denn die Farbe sagt mir überhaupt nichts über Aroma und Geschmack. Zudem "pimpen" immer noch viele Brennereien ihren Whisky mit Farbstoff auf - um diesen dunkler und damit vermeintlich "älter" erscheinen zu lassen, noch ein Grund zur Egalität der Farbbewertungen.

Ich kann nicht versprechen, dass die Farbe eines Whiskys mich bei der Verkostung nicht irgendwie beeinflusst, ich versuche zumindest dies zu vermeiden. Zur Frage wie stark Farbe das Geschmacksempfinden beeinflusst, hatte ich mal ein schönes Erlebnis. Schummelt euren nächsten Stammtischen/ Treffen/ Verkostungen einfach mal einen flachen und jungen, leicht trinkbaren Single Malt in einer Blindflasche unter - selbstverständlich erst nachdem ihr ein paar Tropfen Zuckercouleur untergemischt habt. Zum Vergleicht solltet ihr auch das Original dabei haben.

 

Die Ergebnisse werden euch stauen lassen.

Slainte