Finishexperiment - Nachreifung mit Mooreiche

 

Ob nun kleine Fässer, Holzchips oder  Holzflaschen, eigene Nachreifungen kommen immer mehr in Mode. Ob nun die sinkende Durchschnittsqualität, der Mangel an Sherryfassabfüllungen, immer häufigere Kanten durch zu wenig Reifezeit ausgeglichen werden sollen oder einfach dem Spaß an Experimenten: Nachreifungen sind in Mode.

Experimentierfreudige Whiskyenthusiasten haben nun auch die Möglichkeit, ihren Whisky mit Mooreiche nachzureifen, „Paul Moore“ hat dafür ein Set zur Nachreifung zusammen gestellt. Es enthält neben der besagten Mooreiche (wahlweise geräuchert) auch eine Flasche zur Nachreifung.  Das Max-Planck-Institut in Jena hat das Holz mittels der C14-Kohlenstoffanalyse hat festgestellt, dass die Eiche ungefähr 6.700 Jahre alt ist. 2016 soll die breite Markteinführung stattfinden, ein Set kostet dann ungefähr 30 €.

Genug Grundlagen, die Nachreifung einfach mal auszuprobieren und zu schauen, ob sich solche Experimente lohnen. Ausgewählt habe ich dafür drei Single Malts in Fassstärke, wovon mindestens einer sowieso schon völlig überreift ist. Jeden Monat werden die Nachreifungen getestet. Ich danke dem Händler www.whiskytempel.de für das Probeset.

1. Glenfarclas 105, 10 Jahre, 60% - Tastingnotes

2. Ben Nevis 1990-2008, 61,2% Jack Wiebers- Tastingnotes

3. Mortlach 1995-2013, 55,4% Kierzek - Tastingnotes 

Ergebnisse:

Glenfarclas 105, 10 Jahre, 60% - mit 35 Tagen Nachreifung in Mooreiche

Original links

Farbe: Minimal dunkler in Richtung Bernstein, der Rotstich hat etwas zugenommen.  

Nase: Deutlich fruchtiger, die Sherryaromen wirken stärker,  getrocknete Brombeeren und Sultatinen sind relativ klar vernehmbar. Die Eiche wirkt stärker mit einem kleinen Hang zur Möbelpolitur.  

Gaumen: Hier ähnelt er dem Original schon noch sehr stark. Ein wenig Zimt kommt auf, vielleicht Estragon im Hintergrund. Die Süße wirkt weniger wie Honig sondern eher fruchtig. Hinzu kommen Pfeffer und Chili.

Abgang: Unendlich lang, hier hat der Glenfarclas neben Holzrauch und Zimt auch einiges an Tabak entwickelt.  

Fazit: Die Nase gefällt mir deutlich besser, die Sherryaromen konnten sich am Holz orientieren und sortieren, auch auf dem Gaumen und im Abgang finde ich die Nachreifung sehr interessant, wenn auch zum Teil etwas kantig. Der Glenfarclas darf noch einmal 35 Tage liegen bleiben.

 

Mortlach 1995-2014, 55,4% Kierzek - mit 35 Tagen Nachreifung in Mooreiche 

Original links

Die Farbe hat sich schon einmal merklich verändert, der Mortlach ist deutlich dunkler geworden.  

Nase: Immer noch sehr fruchtig, jedoch deutlich weniger Säure. Die Zitrusfrüchte sind milder geworden, das Süßgebäck ist weiterhin klar vorhanden. Zudem erhielt der Mortlach eine milde Würze sowie einen Stich in Richtugn Karamell.  

Gaumen: Hier schlägt die Eiche nun zu. Richtig rustikal und würzig, das Aroma von grüner Paprika ist noch da, wirkt aber reifer und erdiger. Weniger Frucht, dafür sehr viele Gewürznelken.  

Abgang: Sehr lang, unenendlich lang. Kräftig, würzig und viel Pfeffer. Dazu jede Menge Zimt und bittere Eichentanine.  

Fazit: Die Nase hat ihre Frische verloren und wirkt runder, Gaumen und Abgang erhielten einiges Holz und Reife, jedoch teilweise schon zu viel. Der Mortlach wird deshalb an dieser Stelle nicht weiterreifen.