10 Tage durch Schottland – Ein Erfahrungsbericht 

Als Whiskybegeisteter muss man mal das Herkunftsland dieses schönen Getränks bereist haben, so ging es für meine Freundin und mich Anfang Mai 2015 nach Schottland. Ziel war es, einen ersten Eindruck von Land, Städten und Menschen zu bekommen.

Bereits im Dezember 2014 wurden daher die wichtigsten Details gebucht: Flüge, Mietwagen und Unterkünfte. Dabei bedienten wir uns herkömmlichen Onlineportalen, was es allerdings bei den Übernachtungsmöglichkeiten etwas teurer gemacht hat, viele Bed & Breakfast sind nicht in den herkömmlichen Portalen zu finden, darum sind es einige Hotels geworden.

Wir starteten am Montag den 04.Mai gegen 14 Uhr am Flughafen Schönefeld, durch Zeitumstellung (eine Stunde zurück) kamen wir bereits gegen 15:15 Uhr in Glasgow an. Großbritannien ist zwar in der EU, allerdings nicht Mitglied des Schengener Abkommens, weshalb man zumindest ein wenig Zeit für die Ausweiskontrollen einplanen muss.

Glasgow

Die Verbindung vom Airpot Glasgow International (Glasgow hat zwei Flughäfen) in die Innenstadt ist wirklich gut, ein Express-Bus fährt direkt nach Glasgow Central und klappert dabei alle wichtigen Hotelgegenden ab. Wir entschieden uns für die Glasgow Travellodge, preiswert und zentral gelegen, allerdings wirklich nur Standard. Dank des hohen Umrechnungskurses kostete das Doppelzimmer dennoch knapp 80 € die Übernachtung, ohne Frühstück. In den Innenstadt kann man vor allem eines gut: einkaufen. Auch finden sich zahlreiche Pubs und Restaurants, man merke hier: die Preise für Lebensmittel und Gastronomie sind auch ohne den hohen Wechselkurs teurer als in Deutschland. Ein Abend im Pub mit 2 Pints Bier und jeweils zwei einfachen Speisen kostet schnell 30 €. Neben den bereits genannten Angeboten lohnen sich vor allem die vielen Museen, unser Highlight war die Necropolis, der alte viktorianische Friedhof.

Wir blieben zwei Nächte, also bis Mittwoch früh, nach schottischem Frühstück (pochierte Eier, Haggis, Bohnen, Bacon usw.) holten wir unseren Mietwagen ab, ein Citroen Kleinwagen, Linksschaltung, mit welchem es in Glasgow Central direkt auf den Motorway ging. Die ersten Kilometer im Linksverkehr waren dann auch schon die schwierigsten, obwohl ich auch nach einer Woche noch den Gurt auf der anderen Seite suchte. (Kosten für den Mietwagen 6 Tage = 220 €)

Glasgow – Fort William (109 Meilen)

Unser Tagesziel lautete Fort William, wir folgten der A82 in Richtung Loch Lomond. Egal was der Routenplaner vorher sagt, er lügt. Denn obwohl man rein theoretisch zügiger fahren dürfte, die Serpentinen am Loch Lomond entlang erlauben nur eine geringe Reisegeschwindigkeit, zudem war ein Teil der Strecke auf Grund vortägiger Regenfälle stark überflutet. Die Schotten fahren zwar aufmerksam, aber zügig. Solange zwischen beiden Außenspiegeln noch eine Mücke passt, stört es niemanden. In Kombination mit dem Linksverkehr kam ich allerdings einige Male echt ins Schwitzen.

Auf dieser Strecke in den Norden wechselt die Landschaft ständig, es gibt zahlreiche Seen, die Highlands sind anfangs noch grün, die Täler mit Bäumen bewachsen, später wird es kahler und schroffer. Ein Halt am Loch Lomond ist wirklich sehr zu empfehlen, es gibt zahlreiche öffentliche Parkplätze die zum Spaziergang einladen, der Blick ist einfach atemberaubend. Nicht umsonst betitelte bereits Theodor Fontane den Loch Lomond als den König aller Seen.

Loch Lomond

Nach einer gut einstündigen Pause ging es weiter die A82 entlang, gegen Mittag hab es klassisch Fish & Chips in Tyndrum, habe ich schon den Wechselkurs erwähnt? Wieder waren 25 € weg. Egal, dafür wurden jetzt die Landschaften schroffer, es herrschte ein kühler Wind. Immer wieder mussten wir für diese Landschaft anhalten und sie in uns aufnehmen.

Gegen 15 Uhr erreichen wir dann Fort William und das Glen Nevis Vistor Center. Der Parkautomat war schnell gefüttert und hoch ging es den Ben Nevis Pass, wegen Wetter und Uhrzeit zwar nur knapp bis zur Hälfte (ca. 500 Meter), der Blick ins Tal war jedoch lohnenswert. Und bei dem stürmischen Wind hörte ich zudem nicht ständig die sich immer wiederholenden Worte meiner Freundin: „Oh wie süß doch die kleinen Lämmchen sind…..“

Durchnässt erreichen wir dann gegen 20 Uhr das Campfield House, ein Bed & Breakfast 2 Meilen südlich von Fort William. Im Ort selber gibt es ein paar größere Supermärkte, nach den fettigen Fish und Chips sowie einem wirklich üppigen Frühstück reichte uns ein Salat aus dem Supermarkt. Das Campfield House liegt am Ufer eines Sees, die Übernachtung im komfortablen Doppelzimmer kostete inklusive schottischem Frühstück knapp 92 €.

Fort William – Eilean Donan Castle – Inverness (135 Meilen)

Eilean Donan Castle

Nach einem mal wieder üppigen Frühstück ging es weiter auf der A82 Richtung Inverness, die Landschaft wurde wieder etwas ruhiger, grüner und die Wälder nahmen zu. Entlang des Loch Lochny verließen wir die A82 und schlugen in Richtung Skye ein. Die Berge wurden wieder kahler und höher,  die Straße schlängelte sich an zahlreichen Hügeln, Klippen und Seen entlang. Immer wieder musste stark abgebremst werden, diesmal weniger wegen entgegenkommenden Verkehrs, meistens auf Grund von Ziegen und Schafen auf der Straße. Übrigens: die A87 ist dennoch eine Hauptstraße und die wichtigste Verbindung zur Isle of Skye. Unser Ziel am Loch Duich erreichten wir gegen 12 Uhr, das bekannte Eilean Donan Castle (bekannt aus etlichen Filmen / Eintritt pro Person ca. 9 €).

Nach einer ausgiebigen Runde durch das Castle lautete das nächste Ziel Loch Ness, also die A87 zurück, eine Abkürzung genommen auf weiter auf die A82 in Richtung Norden. Auch wenn der Loch Ness zwar an sich ein schöner See ist, so nervten uns doch schnell die vielen Touristen aus Deutschland, die auf „Nessie-Jagd“ waren und über die hohen Preise schimpften. Also ein paar Fotos geschossen und ab nach Inverness, kurz im Holiday Inn Express (etwa 2 Meilen von der Innenstadt, ca. 80 € inkl. Frühstück) eingecheckt und ab in die kleine aber schöne Innenstadt. Es gibt Einkaufsmöglichkeiten, Pubs und schöne Architektur. Vom Inverness Castle (beherbergt die Polizeiverwaltung) lässt es sich auf den River Ness und die Innenstadt schauen. Abendessen gab es diesmal wieder in einem Pub, dem Snow Goose, welcher überwiegend von schottischen Familien besucht wird. Zudem merkten wir am Personal, dass wir bereits weit im Norden sind. Hier spricht man mit ziemlich hartem Dialekt.

Inverness

Inverness – Elgin (39 Meilen)

Am nächsten Morgen lautete unter Hauptziel Elgin, also knapp eine Stunde Autofahrt. Auf dem Weg dahin gibt es allerdings einiges zu sehen, südöstlich der A96 liegt das Cawdor Castle, kurz vor Forres das Brodie Castle. Wir entschieden uns für einen Halt am Brodie Castle, besichtigten den kleinen Garten und fuhren danach ein paar Kilometer weiter nach Forres zu Benromach. Ein Kurzbericht zur Brennerei und Tour findet sich hier: Benromach. Anschließend fuhren wir nach Burghead, einem kleinen Ort an der Nordsee, von welchem aus man sehr schön an der Küste entlang wandern kann. Auch steht hier die Diageo-Mälzerei "Burghead Maltings."

Nachmittags besuchten wir die Innenstadt von Elgin, den Feinkostenladen Gordon & MacPhail und die Ruinen der alten Kathedrale, zum Abend hin fuhren wir an die Spey Bay, an dieser Bucht fließt der Spey in die schottische Nordsee. Auch kann man hier prima Delfine beobachten. In Elgin hatten wir das Premier Inn gebucht, eine schöne Hotelkette in Schottland, die Zimmer meist mit Badewanne und gehobenem Standard, die Übernachtung im Doppelzimmer inkl. Frühstück ca. 90 €.

Spey Bay mit Blick auf die schottische Nordsee

Elgin - Alford (Kildrummy Castle, 44 Meilen)

Gärten bei Glen Grant

Unser kurzer Weg nach Alford war dann doch nicht so kurz, auf dem Weg dahin besuchten wir die Brennereien Glen Grant und Glenlivet, Infos zu den Destillen und zum Besuch gibt es hier: Glen Grant, Glenlivet. Am späten Nachmittag erreichen wir das Kildrummy Castle Hotel. Besonders aufmerksam war das kostenfreie Upgrade auf ein höherwertiges Zimmer, da dieses gerade sowieso frei war. Dennoch, mit Frühstück und Dinner kostete uns dieser grandiose Aufenthalt knapp 300€, dafür wird er uns lange in Erinnerung bleiben. So hat man die Möglichkeit die anliegenden Gärten oder das alte Castle (vom Zimmer aus zu sehen) zu besuchen, insbesondere die Gärten kann ich an dieser Stelle empfehlen.

Kildrummy Castle

Kildrummy - Perth (85 Meilen)

Im so einem Castle kann man sich schon etwas Zeit lassen, was wir auch taten. Völlig entspannt ging es dann wieder auf die Straße südlich in Richtung Perth. Unser erstes Ziel des Tages hieß Balmoral Castle, auf welchem im Sommer die Queen  residiert. Ja okay, eigentlich wollte ich nur zu Royal Lochnagar, den Bericht zur wirklich empfehlenswerten Tour gibt es hier: Royal Lochnagar. Die Highlands wurden wieder schroffer und laden rund um den "Devils Elbow" sehr zu Wanderungen ein. Zudem muss man sich auf die Höhenmeter gefasst machen, Straßen mit 20% Steigung und plötzlich extrem dichter Nebel, schon das Fahren selbst kann so zu einem Abenteuer werden. Das vorletzte Tagesziel "Queens View" brachte uns in Richtung Osten von den Hauptstraßen etwas ab, vom Aussichtspunkt hat man einen prächtigen Ausblick auf die darunter liegenden Seen und die vielen Berge, leider hat es in Strömen geregnet. Zwischendurch weiß ich nun, warum die Schotten alle Autos mit etwas mehr Bodenfreiheit fahren, so ein Seitenspoiler kann schnell mal hängen bleiben und abreißen.... aber gut, einfach mit viel Druck wieder fest gemacht, passt.

Am Abend erreichten wir Perth, das Premier Inn (mit Frühstück ca. 80€) liegt sehr zentral. Ein Besuch der kleinen Stadt lohnt sich, auch wenn es nicht weit bis Edinburgh ist. Zahlreiche Cafés und Pubs laden zum gemütlichen Verweilen ein.

Einer der zahlreichen Wanderwege

Perth - Edinburgh und die letzten drei Tage

Der letzte Tag mit dem Mietwagen, in Edinburgh wollten wir das Fahrzeug dann abgeben, Parkhäuser und Parkplätze sind in den schottischen Städten sehr teuer und man kommt auch gut zu Fuß oder dem Bus überall hin. Aber vorher sind wir noch schnell zu Glenturret, wenn auch ohne Tour. Dennoch: Sehr freundliches Personal und man kann sich auch so relativ frei auf dem Gelände bewegen.

In Edinburgh angekommen, ging es erst einmal zu Avis, der Kleinwagen war mittlerweile völlig verschmutzt. Danach mit den Füßen in die Prince Street, der Haupteinkaufsstraße in Newtown mit Blick auf das Edinburgh Castle, in welcher auch unser Hotel lag. Für die letzten drei Nächte buchten wir das Royal Overseas League Hotel, eigentlich ein elitärer Club aus dem Jahre 1910. Altes Gemäuer, ältere Zimmer, aber dafür sehr schöne Bar und gutes Restaurant, zudem bezahlbar und wirklich mitten im Trubel. Die vielen Menschen waren am ersten Tag etwas befremdlich, ich wünschte mich in die Highlands zurück.

Die letzten Tage gehörten den Pubs, den Restaurants und den vielen Einkaufsmöglichkeiten. Zudem besuchten wir das Castle und die Altstadt, die Regent Gardens, kletterten in den Holyrood Parks auf den höchsten Punkt Edinburghs (Auf- und Abstieg ca. 2 Stunden) und waren im Botanischen Garten. Auch Whisky gibt es reichlich, viele Pubs und Geschäfte, jedoch lohnt sich der Großteil der Abfüllungen wegen der hohen Alkoholsteuer kaum.

Berge der Holyrood Parks mit Blick auf die Stadt

Am Donnerstag den 15.5. ging es dann gegen Mittag mit der Tram zum Edinburgh Airport, ein relativ voller aber schöner Flughafen. Das Kleinflugzeug in komischer Schieflage und die Abflugverspätung auf Grund eines technischen Defekts an unserem Flieger erinnerten mich dann auch schnell wieder an....nennen wir es mal meinen Respekt gegenüber dem Flugverkehr. In Berlin Schönefeld endete dann unsere Reise und stellten fest: Wir kommen wieder!